40 Jahre

Unsere Geschichte in Epochen

1970 – 1984

Wiedererwachen der Bewegung

Die teilweise Entkriminalisierung der Homosexualität durch die Reform des §175 am 1. September 1969 bereitete den Weg für eine neue Epoche schwulen Lebens in Deutschland. Diese rechtliche Entschärfung ermöglichte beispielsweise erstmals das öffentliche Erscheinen von Zeitschriften und die Gründung von Aktionsgruppen. Auch in Freiburg fanden sich Schwule zu oft kurzlebigen, aber wichtigen Aktionsgruppen zusammen, die mit Infotischen, Kinoabenden und Diskussionsrunden erste mutige Schritte in die Öffentlichkeit wagten. Diese Zeit von 1970 bis 1984 war geprägt von einem neuen Selbstbewusstsein und dem Kampf um gesellschaftliche Akzeptanz, auch wenn die sozialen Vorurteile und Diskriminierung noch lange fortbestanden.

1985 – 1994

Gründung und erste Jahre

Die in den 1970er Jahren mühsam erkämpfte relative Freiheit schwulen Lebens – mit Kneipen, Saunen und einer Stimmung sexueller Befreiung gerieten durch eine neue Welle der Homophobie ins Wanken. Neues Feuer bekam diese „Gottes Strafe“ Fraktion natürlich durch die AIDS-Krise, die 1982 in Deutschland das erste Mal der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. In dieser Phase schwankte die Politik zwischen Zwangsmaßnahmen und Kooperation, bis sich der Dialog mit den Betroffenen durchsetzte. In der Krise gründeten sich aber auch langlebige Strukturen: Aidshilfen für Beratung und Aufklärung, Vereine wie die Rosa Hilfe, sowie kulturelle und Freizeitangebote wie die Schwule Filmwoche.

1995 – 2004

Zwischen Sichtbarkeit und Ausgrenzung

Mit dem Durchbruch der neuen Kombinationstherapie 1996 war eine HIV-Infektion erstmals kein Todesurteil mehr – ein medizinischer Meilenstein.

Viele Vereine und Initiativen wie die Rosa Hilfe hatten sich gegründet, um gemeinsam HIV zu bekämpfen und die Erkrankten zu begleiten und zu versorgen. Der medizinische Durchbruch sorgte zeitweise für Verunsicherung, da dieser eine inhaltliche Neuorientierung ihrer Arbeit notwendig zu machen schien.

Die großen, neuen Fragen führten oft auch zu großen Diskussionen: Wie soll es mit der Szene weitergehen? Braucht es noch Aktivismus ohne die existenzielle Bedrohung? Und welche Rolle soll die Rosa Hilfe in Zukunft spielen? Die „Schwul in Freiburg“-Hefte dieser Jahre zeugen von einer Zeit der Umbrüche.

So setzte die Rosa Hilfe einen stärkeren Fokus auf die Sensibilisierungs- und Präventionsarbeit, was sich bspw. in der Gründung einer Gruppe für Eltern homosexueller Kinder widerspiegelte.

2005 – 2014

Aktivismus im Umbruch

KRISE DER SZENE
Die existentiellen Fragen der vorigen Dekade setzten sich fort. Durch das immer stärker an Bedeutung gewinnende Internet stießen zahlreiche etablierte Angebote wie die Coming-Out-Gruppen, die Cafe-Abende oder Zeitschriften wie Schwul in Freiburg auf weniger Interesse und wurden teils sogar ganz eingestellt.
JUBILÄEN
Die Jubiläen zum 20- und 25-jährigen Bestehen der Rosa Hilfe leiteten auch hier eine wichtige Phase der Reflexion ein: Artikel wie „Tod der Szene“ in der SiF zeugen von kritischer Selbstbefragung über die Rolle und Zukunft queerer Strukturen.
VON SB ZU LSB
Diese Auseinandersetzung führte zu der Gründung neuer Gruppen, die erstmals bspw. auch Lesben, bisexuelle Frauen und Queers mit Behinderung ansprachen.
Zwischen Lesungen, Partys und vielfältigen Gruppentreffen fand die Rosa Hilfe so langsam ein erweitertes Profil

2015 – heute

Neue Krisen, neue Zielgruppen

Seit Oktober 2017 können gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland heiraten und Kinder adoptieren. 2024 trat auch das Selbst- bestimmungsgesetz in Kraft, nach dem Personen ihren Namen und Personenstand beim Standesamt korrigieren lassen können.

Diese zunehmende Sichtbarkeit führt jedoch auch zu einem statistischen Anstieg queerfeindlicher Hasskriminalität in privaten wie öffentlichen Räumen.

Neben nationalen Veränderungen wirken sich auch internationale sowie globale Entwicklungen wie kriegerische Auseinandersetzungen oder die Klimakrise auf die Arbeit der Rosa Hilfe aus.

Die daraus resultierenden Migrations- und Fluchtbewegungen führten und führen zu einem Zuwachs der queeren Community. In der Folge setzte die Rosa Hilfe neue Schwerpunkte in der Arbeit mit Queers mit Migrations- und Fluchtgeschichte. Dadurch entstand eine Themengruppe*, die einen Fokus auf das Verstehen und Erkennen intersektionaler Zusammenhänge setzt, denen in unterschiedlichen Gruppen Rechnung getragen werden soll.