40 Jahre

1985

Gründung des Vereins ROSA HILFE e. V. FREIBURG

27. August
#vereinsarbeit | #aktivismus
Gründungsversammlung und Eintragung beim Registergericht Freiburg

Am 27. August 1985 fand die Gründungsversammlung der Rosa Hilfe mit sechs Teilnehmern statt. Am gleichen Tag wurde die Vereinsgründung beim Freiburger Registergericht zur Eintragung ins Vereinsregister gemeldet.
Eineinhalb Jahre nach der Gründung wurden die Gründe und Ziele des Vereins sowie die dahinter stehenden ideologischen Vorstellungen folgendermaßen reflektiert:

"- Entstanden 1983 als Privatinitiative zur Einrichtung einer schwulen Telefonberatung (ROSA TELEFON)

- bis zum August 85 waren aus verschiedenen Bereichen (AZ/Uni) noch einige Leute hinzugekommen, die üblichen Diskussionen (Sub/Männlichkeit/Sexualität/Diskriminierung/Männerrolle/Pädophilie/polit. Bewußtsein...) auch wie (fast) üblich, mehr oder weniger im Sande verlaufen. Aufgrund eher pragmatischer Überlegungen und mit Mehrheit, aber ohne Konsens, wurde beschlossen, sich in die Mühlen der Verwaltung zu begeben:
GRÜNDUNG DES VEREINS ROSA HILFE e. V. FREIBURG: Ein Zugeständnis ans parlamentarisch/demokratische Lobbysystem mit seinen Kniffen und Fallgruben,
Beweggrund waren damals die Finanzen, größere/bessere Öffentlichkeit, eine etabliertere Position in der öffentlichen Diskussion, mit Behörden, ...
Nach 1 1/2 Jahren ist von Vorteilen noch nicht viel sichtbar geworden, die Nachteile (bürgerlicher Vereinsmief/Einschränkungen in der Zusammenarbeit mit RDL...) jedoch sichtbar geworden.

Aufgrund fundamentaler politischer/inhaltlicher Gegensätze gibt es keine Zusammenarbeit mit der Freiburger AIDS-Hilfe, hat eine Trennung von der SAS (Schwule Aktion Südwest) und die strikte Ablehnung des kürzlich mit viel Getöse gegründeten Bundesverbandes Homosexualität stattgefunden. Sie sind uns alle zu brav und untertänig; wir identifizieren uns eher mit dem Gedankengut des Papiers "SEXUALITÄT UND HERRSCHAFT".

Zum Teil hat sich durch den Verein mehr Struktur ergeben, wir haben feste Mitglieder, Beiträge, nebenstehend geschilderte Gruppen und Aktivitäten. Finanzielle Schwierigkeiten bleiben, andere werden größer;

Der Rahmen für alternatives (unangepasstes) Leben wird in Freiburg immer enger, was sich ganz konkret auch bei uns auswirkt (Räume-Finanzen). Andere
Gruppen erfahren Druck, der sich bis zu uns fortsetzt. (räumlich/zeitlich in der Grether und Habsburger Fabrik/keine Schwule Theke mehr im KOKI/ Republikanischer Club wegen Mietwucher vor der Schließung)

Personell es es ebenfalls eng. Wir sind ungefähr 20 Leute (und das bei ca 4-5.000 Schwulen Männern in Freiburg). Leider sind wir fast nur Studenten, haben so einen wahnsinnig großen Wechsel und unterliegen zunehmend der Gefahr, immer Kopflastiger zu werden und auch nur noch Studenten zu erreichen."