Das alte Toilettenhäuschen an der Kaiserbrücke in der Nähe der Johanneskirche war lange Zeit neben dem Colombipark einer der wichtigsten Cruisingtreffpunkte in Freiburg.
Weitere Informationen, auch zum Cruising allgemein, finden sich in dem angehängten Audiobeitrag aus dem queeren Audioguide Freiburg (https://queere-geschichten-freiburg.de/).
"In nicht allzu ferner Vergangenheit litten homosexuelle Männer unter dem im 19. Jahrhundert eingeführten, vom Naziregime verstärkten und in der danach entstehenden Demokratie in unserem Land lange Zeit weitergeführten Paragrafen 175, der homosexuelle Handlungen als Straftat auswies. Unter diesen Umständen waren Schwule zur damaligen Zeit gezwungen, ihre Neigung geheim zu halten, wollten sie für ihre Gefühle nicht vorbestraft oder gar in Haft genommen werden. Noch heute gibt es gültige Urteile nach diesem Gesetz: es wurden keine Urteile aufgehoben.
Um dennoch ihrem sexuellen Verlangen nachgehen zu können, entwickelten sich im Laufe der Jahre bestimmte Treffpunkte, an denen man(n) sich treffen konnte - schnell, unkompliziert und vor allem anonym. Auch hier in Freiburg gibt es Zeugnisse dieser Zeit der Diskriminierung. Eines davon ist die unter Denkmalschutz stehende Toilettenanlage an der Kaiserbrücke, die damals wie auch heute noch von versteckt und in Angst vor Diskriminierung lebenden Homosexuellen als Anlaufstelle genutzt wird. Denn auch heute, in dieser scheinbar aufgeklärten und toleranten Zeit und Stadt kommt es zu, unter anderem gewaltvollen, Übergriffen auf schwule Bürger.
Nun soll, im Rahmen des Bauvorhabens an der Kaiserbrücke, die Toilettenanlage zu einer Touristeninformation umgebaut werden. Damit wird ein für die schwule Historie sowie die schwule Gemeinschaft wichtiger Ort zunichte gemacht. Wie bereits an anderen Stellen, man denke nur an die ehemalige öffentliche Toilettenanlage auf dem Marktplatz oder an den immer mehr kommerziell genutzten Colombipark, werden die Möglichkeiten an Treffpunkten immer mehr verringert.
Um dies für unsere gesellschaftliche Minderheit zu verhindern, fordert die Rosa Hilfe Freiburg den Stadtrat sowie die Stadtverwaltung auf, zu handeln und uns das neu entstehende Cafe als Treffpunkt und Kommunikationszentrum zur Verfügung zu stellen. Es wird somit das Erstbezugsrecht für diese Räumlichkeiten gefordert, um auch weiterhin diesen Ort als historisch wichtigen Treffpunkt erhalten zu können."
Der Versuch, diesen historischen Treffpunkt für die Community zu erhalten und umzudeuten, war leider nicht erfolgreich.
Heute wird die alte Kaiserwache kulturell für verschiedene Kunstinstallationen und als Ausstellungsraum genutzt (https://www.chilli-freiburg.de/stadtgeplauder/off-spaces-in-freiburg-ein-tourguide-zu-den-unabhaengigen-kunstraeumen-der-stadt/).