40 Jahre

2001

Cruisingort Colombipark

Frühe 2000er
#aktivismus
Weitere Entwicklung des Cruising im Park in den 2000er Jahren
Aus dem Artikel "Lustgarten der Prinzen" der Badischen Zeitung vom 04.09.2001 (Tobias Löser), in dem Cruiser befragt wurden:

"Der heiße Park von einst lebt hauptsächlich in der Erinnerung fort. Michael*, 44, ein Bär von einem Mann, zeigt sein seltenes Lächeln, wenn er von den Eibenbüschen erzählt, in denen einstmals die Kreisezieher verschwanden, Uneinsehbare, lustvolle Nester. „Fickplätze“, sagt Michael. Die sind in den 90er-Jahren fast vollständig den Scheren der Stadtgärtner zum Opfer gefallen. Zufall? Absicht? 1999 kam dann noch „Lothar“, der Weihnachtsorkan, der als unfreiwilliger Moralist die letzten großen Bäume entwurzelte. „Für die Schwulen war das ein Drama“, sagt Michael, nimmt sich selbst aber aus. Als Gärtner freut er sich über einen Park, der zunehmend so aussieht, wie er einst wohl angelegt war: als lichter Garten.

„Es fehlt das Verständnis für die Tradition schwuler Kontaktaufnahme“, sagt Michael dazu und schon ist die Geschichte wieder beim Colombipark, der, wie die Klappen, diese Tradition illustriert. Als die Schwulen den Park Anfang der 70er-Jahre für sich entdeckten, hatten sie den von den Nazis 1935 verschärften Paragraphen 175 noch gut in Erinnerung: „Ein Mann, der mit einem Mann Unzucht treibt, wird mit Gefängnis bestraft.“ Die Bundesrepublik hatte es mit dieser Altlast nicht eilig. 1969 wurde der Paragraph abgeschwächt, Razzien und Rosa Listen, in denen die Polizei Schwule registrierte, gab es aber noch bis in die 70er-Jahre hinein. Erst 1994 wurde der Straftatbestand „Homosexuelle Handlungen“ gestrichen.
Verfolgung hatte den Schwulen jahrzehntelang keine andere Wahl gelassen, als sich in dunklen Ecken zu treffen. Als der Druck nachließ, hatten sich die Treffpunkte längst eingebürgert und lebten fort.

Das ist die Tradition, die Michael meint, doch sie beginnt zu verblassen. Kurt, der zarte 60-Jährige, der seit Jahren seine Kreise im Park zieht, glaubt schon jetzt an einem sterbenden Ort zu sein, den zunehmend nur noch die Älteren bevölkern: „Man kann sich ausrechnen, wann niemand mehr kommt.“

Die Rosa Hilfe, der Freiburger Schwulen- und Lesbenverein, ist zurückhaltender. Ja, sagt Marcel, der freundliche 38-Jährige, der darauf wartet, dass das Beratungstelefon klingelt, es sei heute gerade für Jüngere leichter, offen und selbstbewusst schwul zu leben. „Doch Orte wie den Colombipark wird es immer brauchen.“ Für Schüchterne, die nicht in der Homo-Kneipe auftrumpfen könnten, für Verheiratete, die nur heimlich schwul sein dürfen, für Suchende, die ihre sexuelle Identität erst finden müssen."

Wie sich aus den zitierten Passagen erkennen lässt, verlor der Colombipark als Cruising-Ort im Verlauf der 1990er und 2000er Jahre immer mehr an Bedeutung. Veränderungen innerhalb der Szene und im Datingverhalten und Maßnahmen der Stadt wie der Rückschnitt von Bäumen und Gebüschen dürften am meisten zu dieser Entwicklung beigetragen haben.
Weiterhin ein großes Problem blieb auch die Gewalt im Park, wie einige angehängte Artikel aus "Schwul in Freiburg" illustrieren, mehr als in den 1990er Jahren scheint es jetzt auch zu sexuellen Übergriffen gekommen zu sein.