Der Rosa Winkel war das Kennzeichen, das homosexuelle Männer in nationalsozialistischen Konzentrationslagern tragen mussten, nachdem sie wegen §175 inhaftiert worden waren. Warum die Nationalsozialisten ausgerechnet diese Farbe wählten, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Auch in der Bundesrepublik blieben Betroffene weiterhin kriminalisiert und wurden weder als NS-Opfer anerkannt noch entschädigt.
Erst die teilweise Liberalisierung des §175 im Jahr 1969 schuf einen Raum für eine neue Auseinandersetzung mit der Verfolgung schwuler Männer im Nationalsozialismus. 1972 erschien mit "Wir Männer mit dem Rosa Winkel" die erste doppelt anonymisierte Autobiographie eines schwulen KZ-Überlebenden – ein Meilenstein der Erinnerungsarbeit. Diese neue Generation schwuler Aktivisten griff das Symbol des Rosa Winkels auf und deutete es radikal um: Aus dem Zeichen der Verfolgung wurde ein politisches Symbol für die Gegenwart. Es sollte gleichzeitig an die Vergangenheit erinnern und auf die fortdauernde Diskriminierung aufmerksam machen. Der Winkel selbst sowie die Farbe Rosa wurden zu zentralen Symbolen der schwulen Bewegung in Deutschland, so zum Beispiel beim in den 1970er Jahren gegründeten Verlag Rosa Winkel.
Auch der Vorläufer der Rosa Hilfe, das Rosa Telefon, sowie die frühen Logos des Vereins trugen den Rosa Winkel als Symbol. Durch Kontakte amerikanischer Aktivist*innen nach Deutschland gelangte das Symbol schließlich in die USA. Dort wurde es, zunächst durch einen Fehler auf dem Kopf stehend, in den 1980er Jahren zum ikonischen Zeichen der Act Up Bewegung im AIDS-Aktivismus.
So wandelte sich der Rosa Winkel von einem Zeichen der Verfolgung zu einem Symbol der Erinnerung, des Widerstands und der Selbstermächtigung, eine Umdeutung, die bis heute in Namen wie "Rosa Hilfe" fortlebt.
Einige Beispiele für die Verwendung des Rosa Winkels sind an den Beitrag angehängt (Bilder von Wikicommons oder aus unserem eigenen Archiv).