40 Jahre

1990

Was will die Polizei im Park?

Anfang der 1990er Jahre
#aktivismus
Gewalt im Colombipark und Zusammenarbeit mit dem Polizeirevier Nord

Ein wichtiges Thema für die Rosa Hilfe war in den 1980er und 1990er Jahren der Umgang mit gewalttätigen Übergriffen auf Schwule an bekannten Cruisingorten, vor allem im Colombipark.

Die Rosa Hilfe suchte Anfang der 1990er Jahre Kontakt zur Polizei, um gegenseite Vorbehalte abzubauen und Ängste innerhalb der Community vor der Polizei zu mildern. Außerdem sollten Betroffenen Verhaltensregeln zur Vermeidung von Übergriffen ebenso wie für das Handeln danach mitgegeben werden.

Aus einem Flyer zur Gewaltprävention:

"Was will die Polizei im Park?

Seit ca. einem halben Jahr arbeiten wir, die Rosa Hilfe Freiburg, zusammen mit dem Polizeirevier Nord an einem gemeinsamen Konzept zum Schutz von schwulen Parkbesuchern und zur Prävention von Überfällen. Dazu ist es notwendig, daß sowohl die Beamten im Streifendienst als auch die Schwulen ihre gegenseitigen Vorbehalte zumindest teilweise ablegen.

Z. Zt. werden Polizeikontrollen umfangreicher durchgeführt als bisher. Dies geschieht teilweise auch auf unsere Veranlassung, da wir in den letzen Wochen vermehrt Überfälle zu verzeichnen hatten und verschiedene Gruppen von verdächtigen Personen im Park beobachtet haben.

Es geht der Polizei um die Ermittlung bei vorgenannten Gewalttaten, nicht um die Erfassung und Speicherung von Daten schwuler Personen. Um die Beamten in diesen speziellen Fällen der Verfolgung eines gemeinsamen Zieles zu unterstützen, rufen wir dazu auf, bei verdächtigen Beobachtungen, Meldung zu machen und insbesondere bei Überfällen, Anzeige zu erstatten."

Aus einem Flyer zur Sicherung des Parks als schwuler Begegnungsort:

"Wie wir uns selber wehren können:
  1. Nicht alleine weglaufen!
  2. Die anderen warnen!
  3. Bei den Laternen treffen!

Danach: Informiert das ROSA TELEFON! (Sammlung von Infos zu Übergriffen in Parks und in Klappen)"

Information über polizeiliche Zusammenarbeit im SiF Oktober 1995:

"Im Rahmen seiner Vorstellungsrunde bei den örtlichen Organisationen und Vereinen hat Herr Hager, der neue Chef des Polizeireviers Nord (u.a. Colombi-Park), auch einen Antrittsbesuch bei der Rosa Hilfe gemacht. Bei dieser Gelegenheit wurde noch einmal die Zusammenarbeit im Bereich ‘Gewalt gegen Schwule’ bekräftigt: Herr Gäng (Beamter im Revier), an den sich Überfallopfer direkt wenden können, wird sich zukünftig noch stärker als bisher um schwule Belange kümmern. Auf lange Sicht wird die Einrichtung einer festen Dienststelle, auch für die Koordination der diversen Kripo-Dezernate, angepeilt. Weiterhin will Hager bei der Aus- und Fortbildung der Schutzpolizei in Zukunft Schwule als Ratgeber und Referenten beteiligen.

An alle Parkbesucher und Zeugen / Opfer anti-schwuler Gewalt:

Geht zur Polizei, wenn Ihr irgend etwas Verdächtiges bemerkt oder sogar selber Opfer
eines Überfalls werdet! Benachrichtigt in jedem Fall die Rosa Hilfe: Rat und Unterstützung erfolgt wie immer anonym und kostenlos."