Ankündigung und Workshopprogramm:
Private Initiative von einigen wenigen Schwulen rief im Jahre 1983 das Rosa Telefon ins Leben. "Laßt uns unsere Erfahrungen an andere in Form von Beratung weitergeben." Die Probleme mit dem eigenen Schwulsein wurden bald als Qualitāt in die Beratungsarbeit einbezogen. So entstand eine Selbsthilfegruppe, die von vorneherein nach außen wirken wollte.
Das Rosa Telefon war immer ein Telefon mit eigener Nummer gewesen, allerdings hatte es nie die Farbe Rosa. Anfangs stand es in einer Privatwohnung, später in einer Abstellkammer des Buchladens "Joß Fritz", sein Standort oder besser Versteck wurde lange wie ein Geheimnis behandelt. Seit 1990 steht das Geburtstagkind in den damals frisch bezogenen Räumen der Rosa Hilfe Freiburg.
Damit ist schon angedeutet, welchen Lebensweg bislang unsere Jubilarin genommen hat. Neben die Telefonberatung trat bald die jährlich stattfindende "Schwule Filmwoche", sie findet im März 1994 zum 10. Mal statt; dann einmal im Monat als Begegnungsmöglichkeit für Schwule ein Cafe, mittlerweile findet es wöchentlich statt!; die Vereinsgründung als Rosa Hilfe Freiburg war ein weiterer Schritt. Im Beratungsbereich folgten Coming-out-Gruppen, persönliche Beratung, Safer-Sex-Workshops, die Gruppe "Schwule Väter/Ehemänner" ist das bislang jüngste Kind. Daneben stehen zahlreiche weitere Aktivitäten im kulturellen, sozialen, politischen und sportlichen Bereich. Derzeit nehmen jährlich etwa 8 000 Menschen diese Angebote wahr.
Sämtliche Tätigkeiten sind ehrenamtlich, deshalb ist Anerkennung von außen wichtig für die Motivation der Aktiven. Anfragen von Schulen, Hochschulen und anderen Institutionen des öffentlichen Lebens stärken die Eigenwertgefühle der Einzelnen und der Gruppe: die eigene Kompetenzen erscheint in einer umfassenderen Sicht. Als Anerkennung der geleisteten Arbeit sind auch zu verstehen: ein Mietzuschuß der Stadt Freiburg und die 1991 erlangte Mitgliedschaft im DPWV.
In den vergangenen zehn Jahren haben zwei einschneidende Ereignisse schwules Leben ganz allgemein und das Beratungsgeschehen im besonderen verändert: AIDS und zunehmende Gewalt gegen Schwule. Beides verstärkt sich durch den immer frecher auftretenden Rechtsradikalismus, der sich nicht nur außerhalb der etablierten Parteien findet. Beide Tatsachen könnten den Schluß nahelegen, schwule Selbsthilfegruppen arbeiten heute weitgehend in der Defensive. Dennoch und trotzdem: Die Rosa Hilfe läßt sich nicht davon abhalten, in den Bereichen, auf die sie unmittelbar einwirken kann, gestalterisch tätig zu werden.
Es mutet manchmal unvereinbar, hier das immense Angebot an Dienstleistungen, dort ehrenamtlicher Selbsthilfecharakter. Woher wird Motivation bezogen? Jeder, der mitarbeitet bestimmt das Ziel seiner Tätigkeit, gestaltet den Weg dahin, lernt an den gemachten Erfahrungen. Streit im besten demokratischen Sinne bestimmt das Gruppengeschehen.
Einen weitgehend überschaubaren Lebensbereich unter der Perspektive selbstgesetzter Ziele in Kooperation mit Gleichgesinnten gestalten. Das sind die Grundzüge eines Gegenmodells zur gesellschaftlichen Realität, in der soziales Geschehen vorwiegend über anonyme Großorganisationen verwaltet wird. Eigenverantwortung, Autonomie, Selbstgestaltung, Solidarität und Betroffenheit sind hier die entsprechenden Stichworte, die die Arbeit der Rosa Hilfe abstecken.
Erfahrungen und Reflexionen solcherart haben in der Rosa Hilfe zu dem Wunsch geführt, ein Geburtstagsfest zu gestalten, das Handeln und Genießen miteinander verbindet. Der Blick sollte auch über den engeren Arbeitsbereich hinaus gerichtet werden. Daraus wurden Workshop und Theaterstück. Zum Workshop ergingen Einladungen an etwa 30 Freiburger Selbsthilfegruppen aus den unterschiedlichsten Bereichen und an ebensoviele Schwulengruppen aus ganz Baden-Württemberg.
9.30 – 12.30 Perspektiven der einzelnen Gruppen. Diskussion und Arbeitsgruppen. (dażwischen eine Pause)
12.30 – 14.30 Mittagspause. (Im Restaurant "Waldsee" kann ein Mittagessen eingenommen werden. In der nächsten Umgebung kann man gut spazierengehen.)
14.30 – 17.00 Zum Thema: "Interne Kommunikationsstrukturen und Kontakte nach außen" wird in Arbeitsgruppen und im Plenum gearbeitet. (dazwischen Kaffee,Tee und Kuchen)
17.00 – 17.30 Schlußplenum
Danach Pause bis zur Abendveranstaltung."