Zwischen 1986 und den frühen 2010er Jahren waren die regelmäßigen Coming Out Gruppen eine Institution im Angebot der Rosa Hilfe. Die Gruppe fand für die nächsten ca. 25 Jahre regelmäßig jedes Semester statt und zählt damit zu den dauerhaftesten Angeboten der Rosa Hilfe.
Laut dem angehängten Bericht der beiden Gruppenleiter Philipp und Thomas von 1989 entstand die Idee zu dieser Gruppe aufgrund der Erfahrungen der Schwulengruppe im AZ, die eine insgesamt wenig erfolgreiche und unstrukturierte Gruppe für potentielle Neumitglieder angeboten hatte. Die Coming-Out Gruppe der Rosa Hilfe sollte dagegen strukturierter auf die Bedürfnisse von Männern im Coming-Out-Prozess eingehen, Kontaktknüpfen und Austausch untereinander ermöglichen und letztlich auch den Weg für eine eigene Mitarbeit in der Rosa Hilfe frei machen.
Ein Jahr später beschreiben sie das Gruppenziel in den ,,Thesen zur Coming Out Gruppe" folgendermaßen:
"Schwule Manner in der heißen Phase ihres Coming-out sind Zielgruppe des Angebotes der Rosa Hilfe. Alter und beruflicher Status sind kein Hinderungsgrund für eine Teilnahme, dennoch überwiegen die Männer mit studentischem Hintergrund.
Ziel des Angebotes ist, den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, erstmals (Sozialisation in heterosexuellen Zusammenhängen) in einer Gruppe von Schwulen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden, zu reden, Erfahrungen zu machen und darüber mit den anderen Teilnehmern zu reflektieren. Entsprechend den oben formulierten "Grundwerten" steht Hilfe zur Selbsthilfe unter dem Signum emanzipatorischer Lebensgestaltung im Vordergrund."